| 1. Unterscheidung Autoleder/Möbelleder Möbelleder sind definitiv nicht für den Einsatz in Automobilen
geeignet. Möbelleder haben meistens deutlich schlechtere Lichtechtheitswerte,
geringere Abriebwerte und einen zu hohen Fettgehalt. Hierdurch
sind die Leder zwar weicher, bewirken aber eine schlechte Feuchtigkeitsregulierung
im Fahrzeug (Foggingwert, beschlagene Scheiben). Die höhere
Dehnfähigkeit der Möbelleder führt langfristig zu
Faltenbildung. Nur ein Automobilleder trägt den extremen Bedingungen
im Fahrzeug Rechnung. Schwankungen in den Bereichen Luftfeuchtigkeit
und Temperatur sowie extreme Lichteinwirkung sind Anforderungen,
für die ein Möbelleder nicht konzipiert wurde. Kann Ihnen
der Verkäufer keine eindeutigen Aussagen zu diesen Themen
machen bzw. schriftliche Garantien geben, sind Sie sicherlich nicht
gut beraten, hier einzukaufen.
2. Unterscheidung vollnarbiges/korrigiertes Leder
Hier besteht unserer Meinung nach der größte Aufklärungsbedarf,
bzw. bei diesen Kriterien wird am meisten getrickst. Diese beiden
qualitativen Extreme sind bei fertigen und geprägten Ledern
auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden.
Bei einem vollnarbigen Leder ist die Narbenschicht vollständig
erhalten. Sie macht zwar nur einen geringen Anteil an der Gesamtstärke
der Haut aus, gewährleistet aber eine höhere Lebensdauer
bei gleicher Zurichtungsart und erhält dem Leder seine Natürlichkeit.
Bei einem korrigierten Leder ist diese Narbe angebufft oder komplett
weggeschliffen. Durch dieses Schleifen verschwinden alle Naturmerkmale
und auch diverse Fehler. Je tiefer geschliffen wird, desto „sauberer“ wird
die ungefärbte Haut. Große Fehler in der Haut werden
meist stuckiert, d.h., zugespachtelt. Bei einem Nappaleder ist
dies relativ leicht zu erkennen. Schleifnappas sind in der Regel
extrem glatt, Naturmerkmale sind praktisch nicht vorhanden. Machen
Sie den Teppichtest: Ein Stück des zu testenden Leders kräftig über
z.B. einen Filzteppich reiben und prüfen, ob die Narbe noch
vorhanden ist oder einen veloursartigen Charakter hat!
Dies funktioniert auch bei geprägten Ledern. Sie können
die Farbzurichtung eines Leders auch mit Azeton oder anderen Lösungsmitteln
entfernen.
Geschliffenen Ledern fehlt in der Regel der „volle“ Griff,
sie sind oft weicher und haben eine Tendenz zu Losnarbigkeit im
Flankenbereich. Oft sind weiße Flecken von der Spachtelmasse
auf der Fleischseite. Spätestens nach einigen Jahren trennt
sich die Spreu vom Weizen. Während ein vollnarbiges Leder
Patina erhält und auch nach Abrieb der Zurichtung, wenn das „nackte“ Leder
durchschimmert, noch schön aussieht und auch noch hält,
ist ein Schleifer ohne Zurichtung einfach kaputt, besonders wenn
die Spachtelmasse sichtbar wird oder einfach rausfällt. Eine
Kunden, dem so etwas passiert, wird man vermutlich nie wieder sehen,
höchstens vor Gericht.
Nun erfordern die großen Mengen Leder, die in Bereichen
mit minderen Qualitätsanforderungen benötigt werden,
auch den Einsatz von Schleifern. Jedoch sollte man den Kunden hierüber
immer informieren und ihm gegen Aufpreis die hochwertigere Alternative
anbieten. Schleifer sind natürlich sehr viel preiswerter,
weil hierfür eine schlechtere Rohware eingesetzt werden kann.
Firmen wie MB, BMW, Porsche, Audi und VW (auch einige Japaner)
setzen ab Werk grundsätzlich vollnarbige Ware ein. Ausländische
Produzenten dagegen arbeiten meist mit Schleifern. Die beste Rohware
für vollnarbige Leder im Polsterbereich stammt übrigens
aus Deutschland und einigen Nachbarländern, die allerbeste
von süddeutschen Bullen.
Fragen Sie beim Einkauf grundsätzlich nach diesem wichtigen
Qulitätsmerkmal!
Ob eine Ware vollnarbig ist oder nicht kann nur mit einem klaren
ja oder nein beantwortet werden. Jedes Ausweichen bedeutet, daß man
entweder nicht weiß, was man anbietet oder man versucht zu
täuschen. Die Automobilindustrie läßt alle Chargen
der eingesetzten Leder gründlichst prüfen. Im Nachrüstmarkt
wird jede Menge „Schrott“ als Originalleder angeboten,
geschliffene Leder fast nie als solche deklariert. Ihr Kunde kauft
im Geiste ein Naturprodukt und sitzt möglicherweise auf einem
totgeschliffenen Leder mit Spachtelmasse.
3.Unterscheidung Nappaleder/geprägtes Leder
Wir sind jetzt im hochwertigen Bereich angekommen. Die schlimmsten
Mogelpackungen und einfachen Qualitäten haben wir hinter uns
gelassen. Das vollnarbige Autoleder eignet sich für das Nachprägen
(MB Flechtnarbe oder Sternchenprägung für W 107), ohne
daß die Prägung nach kürzester Zeit wieder verschwindet
oder Spachtelmasse zu Tage fördert. Die Automobilindustrie
bietet bei Standardlederausstattungen geprägte Leder an. Diese
sind preiswerter, da durch die stärkere Farbzurichtung und
das anschließende Abprägen Naturmerkmale kaschiert werden
und dadurch etwas schlechtere Sortimente eingesetzt werden können.
Wir sprechen hier aber immer noch von guten Qualitäten. Das
geprägte Leder läßt sich besser mit Kunstleder
kombinieren und ist durch die gleichmäßigere Oberfläche
verschnittgünstiger. Einigen Kunden gefällt es einfach
auch besser. Vernäht man das Leder gerafft, tauchen einige
kleine Fehler gar nicht auf.
Nur absolute Spitzensortimente im Auto- und im Möbelbereich
sind nappatauglich. Die Hautstruktur variiert vom Nacken bis zu
den Hinterbacken mit seinen Scheuerstellen und dem glatten Kern
bis zu den weichen Flanken. Die Automobilindustrie verwendet diese
Qualitäten gegen fantastische Aufpreise. Auch hier gibt es
noch feine Qualitätsabstufungen. Walk- oder Feinnappa gelten
als Standard. Hochwertigere Abstufungen sind je nach Hersteller
Seidennappa und Softnappa, teilweise auch Naturnappa.
Im Möbelbereich gilt ähnliches. Je leichter die Zurichtung,
also je dünner der Farbauftrag, desto besser muß die
Rohware vom Sortiment her sein. Bei diesen Ledern sind die Gerbereien
gefordert. Zunächst einmal müssen sie die hochwertige
Rohware beschaffen, was zur Zeit nicht einfach ist. Dann müssen
die hohen Anforderungen der Automobilindustrie mit einem Minimum
an Farbauftrag erfüllt werden. Nur sehr wenige Gerbereien
weltweit erreichen diesen Standard.
4.Fazit
Nachfolgend fassen wir unsere Empfehlungen zusammen. Diese tragen
dem Umstand Rechnung, daß die Preisunterschiede bei den verschiedenen
Lederqualitäten immer größer werden:
Lassen Sie sich die gewünschten Kriterien, ggf. sogar Testergebnisse
der Leder, schriftlich bestätigen!
Arbeiten Sie im Automobilbereich grundsätzlich nicht mit Möbelledern!
Verwenden Sie Schleifleder nur für Fahrzeuge mit nicht so
hoher Lebenserwartung im Niedrigpreisbereich! Lassen Sie diese
grundsätzlich nicht prägen, falzen oder spalten! Informieren
Sie Ihren Kunden über die Nachteile dieser Qualität!
Bieten Sie gegen Aufpreis immer die höheren Qualitäten
in vollnarbigem Leder an! Nappaleder sind grundsätzlich noch
teurer und haben mehr Verschnitt.
Arbeiten Sie nicht mit Partnern, die Ihnen keine klare Auskunft über
Ursprung und Testwerte und darüber geben können, ob die
Ware vollnarbig ist! Lassen Sie dieses schriftlich bestätigen! |